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Warum die Mehrheit der Flüchtlinge nicht junge Männer sind

 

 

 

 

 

 

Flüchtlinge sind alles junge Männer. Sie ziehen in Gruppen durch die Innenstädte, nehmen Drogen, und belästigen unsere jungen, blonden Frauen. Schon klar.

 

Vertreter rechter Positionen malen ein Schreckensbild von geflüchteten Männern. Sie wären kriminell, Scharen sich in Gruppen zusammen und sind eine Gefahr für die Allgemeinheit. Ein großes Problem dabei ist, dass der Großteil der Flüchtlingspopulation in Deutschland männlich sei. Da Mütter, Ehefrauen und Omas nicht vor Ort sind, fehlt ein mäßigendes Netz. Die Theorie ist, dass Frauen die Männer zügeln und sie so nicht straffällig werden. Weil Frauen also fehlen, werden die Männer zum Problem.

 

Doch stimmt es überhaupt, dass die Mehrheit der Geflüchteten in Deutschland männlich ist? Für das Flüchtlingsjahr 2015 trifft diese Behauptung zu. 69,2 % der Asylantragssteller waren männlich. Insbesondere die Altersgruppe zwischen 18 und 25 Jahren war mit 80,3 % männlicher Asylsuchender deutlich maskulin. Dies hat eine Vielzahl von Gründen. Erstens haben Männer einen besonderen Grund, Kriegs- und Krisengebiete zu verlassen: Die Wehrpflicht. Nur durch die Flucht können sie sich vom Militärdienst befreien. Ein Dienst, der oft mit dem Tod einhergeht. Zweitens sind die Fluchtrouten gefährlicher. Männer können eher den physischen Strapazen begegnen und sind weniger anfällig gegenüber Übergriffen auf der Route als Frauen. Ihre Migration ist dadurch meist erfolgreicher. Wer begrenzte finanzielle Mittel hat, schickt nur die Person voraus, die die Flucht am wahrscheinlichsten übersteht. Drittens flüchten zumeist junge Männer, weil sie eine längere Zeit im Zielstaat bleiben werden. Mit einem längeren Aufenthalt sind größere Einnahmen im Zielstaat zu erwarten, als wenn ältere Personen flüchten. Daher tendieren Migranten allgemein dazu, jünger zu sein.

 

Die Situation in Deutschland änderte sich aber in den letzten Jahren. Der Anteil an männlichen Antragsstellern sinkt beständig. Im Jahr 2016 waren 65,7 % der Antragssteller männlich, 2017 60,5 % und im Zeitraum Januar – November 2018 nur noch 56,7 %. Es kommen also weniger alleinreisende Männer nach Deutschland. In den Altersklassen bis 16 und über 55 ist die Altersverteilung darüber hinaus nahezu ausgeglichen.

 

Der entscheidendste Faktor ist jedoch, dass die alleingereisten Männer ihre Familien nachholen. Mit der Anerkennung als Flüchtling dürfen Familienmitglieder Ehepartner und Kinder nach Deutschland holen. Seit 2015 wurden so über 322.000 Visa für Familienzusammenführungen ausgestellt. Diese betreffen mehrheitlich Frauen und Kinder. 33,75 % dieser Visa betreffen Syrer, die die Hauptnationalität der in Deutschland lebenden Flüchtlinge darstellt. Da Menschen mit subsidiärem Schutz seit 2018 auch gestaffelt Familienvisa beantragen können, ein großer Teil der anerkannten Flüchtlinge ihre Familie noch nicht in Deutschland hat und viele noch erfolgreich gegen Ablehnungsbescheide klagen werden, wird sich die Anzahl von Familienzusammenführungen weiter erhöhen.

 

Flüchtlinge sind also nicht junge, alleinstehende Männer. Flüchtlinge sind Familienväter, Ehefrauen und Kinder.

 

Mehr zu diesem und anderen Themen finden Sie in meinem aktuellen Buch "Grenzenlos - Warum wir illegale Migration neu denken müssen".