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Polygamie unter Flüchtlingen – Deutschland erlaubt die „Ehe mit allen“?

Polygamie ist strafbar. Heiratet man eine zweite Frau oder einen zweiten Mann in Deutschland, kann man mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. Eine Ausnahme gibt es allerdings.

 

Nämlich dann, wenn sie im Ausland geschlossen wurde und dort legal ist. So kommt es regelmäßig vor, dass Flüchtlinge in Deutschland mit mehreren Frauen zusammenleben. Die bayerische Regierung ist dagegen. Sie legte am 05.06.2018 einen Gesetzesentwurf vor, nach dem die Mehrehe automatisch aufgelöst und verboten wird. Der Entwurf wurde abgelehnt. Warum?

Es gibt gute Gründe, warum die Mehrehe automatisch verboten werden sollte. Sie verstößt gegen die Grundsätze der Ehe und dem Zusammenleben in Deutschland. Sie sendet falsche Rollenbilder an Kinder und steht der Integration im Weg. Am wichtigsten ist allerdings, dass sie dem Wohl der Frau und ihrer Gleichberechtigung widerspricht. 

Dies ist aber ein scheinheiliges Argument. Ein Verbot würde dem Wohl der Frau nämlich schaden. Sie verlöre eine ganze Reihe von Leistungen: Witwenrente, Versorgungsausgleich, Erbrechte etc. Darüber hinaus verlöret sie die Anerkennung ihrer eigenen Familie und würde nicht in der gleichen Lebenssituation leben wie die Erstfrau. Bereits jetzt ist die Zweitfrau schlechter gestellt, da sie im Fall einer Familienzusammenführung nicht nach Deutschland gebracht werden darf. Außerdem ist die Aufhebung der Ehe der zweiten Frau in Deutschland freigestellt. Sie kann nicht zum Zusammenleben mit dem Mann gezwungen werden.

Wie kann man nun die widersprüchlichen Interessen der Gesellschaft (Integration, Gleichberechtigung) mit denen der Frau (finanzielle Versorgung, Gleichbehandlung mit der Erstfrau) in Einklang bringen?

Die Mehrehe kann durchaus verboten werden. Sie gehört nicht in das Deutschland des 21. Jahrhunderts. Allerdings müssen die Ansprüche, die der Ehepartnerin zustehen, in Deutschland anerkannt werden. Vor der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe („Ehe für alle“) bestand die Möglichkeit einer „gleichgeschlechtlichen Partnerschaft“. Man könnte analog eine „im Ausland geschlossene Partnerschaft“ einführen. Sie zählt nicht als Ehe, sondern stellt nur die Ansprüche der Frau sicher. So hätte man doch keine „Ehe mit allen“.