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Das Jobwunder?

Immer neue Erfolgsmeldungen bei der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen. Kürzlich sprach Arbeitgeberpräsident davon, dass die Integration wesentlich besser gelingt als gedacht. Alles gut also?

 

Die Integration von Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt geht voran. Mehr und mehr Geflohene konnten ihre Sprachkurse beenden und finden Jobs. Genaue Zahlen gibt es hierzu leider nicht. Nach einem erfolgreichen Asylverfahren werden Flüchtlinge nämlich nicht mehr als solche in amtlichen Statistiken erfasst. Sie gelten als Ausländer mit einem Aufenthaltstitel. Daher behilft man sich anhand der Ausländerstatistik. Es werden die Zahlen aller Personen aus bestimmten Herkunftsländern genommen. Also z.B. alle Syrer, die in Deutschland wohnen. Das Problem: nicht alle sind als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Das wird am besten bei der Türkei deutlich. Solche, die eine deutsche Staatsbürgerschaft haben, werden gar nicht erfasst. Außerdem werden nur Hauptherkunftsländer in die Statistik aufgenommen. Flüchtlinge aus weniger wichtigen Ländern mit geringeren Anerkennungschancen werden außer Acht gelassen.

 

Geflüchtete haben verschiedene Probleme bei der Jobsuche. Sie sprechen nicht nur die deutsche Sprache schlechter. Die meisten können auch keine Ausbildungen nachweisen, weil es das deutsche Ausbildungssystem in den Herkunftsländern nicht gibt. Universitätsabschlüsse werden meistens nicht anerkannt. Jungen Leuten fehlen oft wegen Konflikten einige Jahre des Schulbesuchs. Sie hinken also ihren Klassenkameraden deutlich hinterher. Azubis scheitern oft an ihrer Ausbildung, weil das Fachvokabular fehlt.

 

Dennoch können sich die Zahlen der Agentur für Arbeit sehen lassen. Lediglich 175.000 Personen aus den acht Hauptherkunftsländern waren Ende 2018 arbeitslos gemeldet. 119.000 konnten ihre Arbeitslosigkeit durch einen Job oder Ausbildung beenden. 28.000 Personen sind in einer Ausbildung – doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Knapp 400.000 sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

 

Die Zahlen trügen aber. Viele Berufstätige (372.000) sind unterbeschäftigt. Sie sitzen in der Teilzeitfalle. 138.000 nehmen noch immer an Maßnahmen teil. Dies sind meist Sprach- und Integrationskurse. Durch mangelnde Qualifikation arbeiten sie in prekären Verhältnissen im Niedriglohnsektor. Sie verdienen wenig und laufen bei einer Rezession als erste Gefahr, entlassen zu werden. Die meisten Auszubildenden erlernen einfachere Berufe in der Gastronomie, Einzelhandel oder in der Reinigung. Die Bildung bleibt ein Problem.

 

Die Arbeitslosenstatistik zeigt, dass Deutschland bei der Integration vorankommt. Ein Grund zum Jubeln ist sie derzeit aber noch nicht. Die Integration wird noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern.

 

 

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