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Ali Baba und die 40 Räuber

Flüchtlingskriminalität steigt. Die Öffentlichkeit wurde im vergangenen Jahr mehrmals durch Gewalt von Asylbewerbern aufgeschreckt – zuletzt durch Morde in Wiesbaden oder in Prien am Chiemsee. Steigt die Bedrohungslage durch eingewanderte Flüchtlinge? Eine neue Studie schafft Fakten.

 

Das Institut für Delinquenz und Gewaltprävention der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft hat 2018 eine Studie „zur Entwicklung der Gewalt in Deutschland – Schwerpunkt: Jugendliche und Flüchtlinge als Täter und Opfer“ vorgelegt. Sie zeichnet ein differenziertes Bild der Flüchtlingskriminalität am Beispiel Niedersachsens.

Generell ist die Anzahl von Gewaltverbrechen in Deutschland seit Jahrzehnten rückläufig. Nach sieben Jahren des Rückgangs stiegen die Zahlen 2015 und 2016 jedoch sprunghaft um ca. 10% an. Diese Zunahme ist zu 90% auf Geflüchtete zurückzuführen. Flüchtlingskriminalität steigt also. Schaut man allerdings nach den Gründen, verschiebt sich das Bild. Der Anstieg ist auf die folgenden Faktoren zurückzuführen:

  • Bevölkerungszunahme. Durch eine gestiegene Bevölkerung wächst automatisch die Gesamtzahl an Verbrechen. Da 2015 und 2016 insbesondere Flüchtlinge zugewandert sind, ist diese Gruppe besonders für den Anstieg verantwortlich
  • Demographie. Der Anteil junger Männer unter den Asylbewerbern war im Vergleich zur Restbevölkerung wesentlich höher. Diese Gruppe ist kulturunabhängig für den Großteil von Gewaltverbrechen verantwortlich.
  • Einstellung zur Gewalt. Kulturell bedingt haben Personen aus den wichtigsten Herkunftsstaaten eine größere Akzeptanz gegenüber der Ausübung von Gewalt. Die Studie spricht von einer „gewaltlegitimierenden Machokultur
  • Hohe Anzeigebereitschaft. Die Anzeigebereitschaft von Gewaltopfern steigt, wenn der Täter nicht aus dem persönlichen Umfeld stammt und eine andere Ethnie als das Opfer aufweist. Im Gegenzug werden deutsche Täter eher seltener von Ausländern angezeigt, weil vermutet wird, dass sich die Polizei auf der Seite der Deutschen befände. Flüchtlinge werden also häufiger angezeigt. Hierzu passt, dass Opfer von Vergewaltigungen durch Flüchtlinge mehrheitlich deutsch waren.
  •  Konflikte in Unterkünften. Aufgrund angespannter räumlicher Verhältnisse, ungeregelten Tagesabläufen und kultureller Unterschiede kommen Gewaltverbrechen oft in Flüchtlingsunterkünften vor. Täter und Opfer sind Asylbewerber.
  • Erkrankungen. Durch psychische Erkrankungen wie Traumata oder Depressionen aufgrund von Krieg und Vertreibung steigt die Gewaltbereitschaft bei Geflüchteten.

Es bestehen hierbei große Unterschiede zwischen Gruppen von Geflüchteten. Haben sie eine gute Bleibeperspektive (z.B. Syrer, Iraker, Afghanen), so sind sie weniger gewalttätig. Dies kann auch an einer Unterstützung durch bereits in Deutschland lebende Verwandte liegen. Haben Flüchtlinge schlechte Chancen auf Asyl, haben sie sowohl keine Sprach- und Integrationskurse als auch teilweise keine Arbeitserlaubnis. Dies betrifft insbesondere Personen aus Nordafrika und dem Westbalkan. Sie haben ungeregelte Tagesabläufe, konsumieren eher Drogen und haben weniger zu verlieren. Sie sind überproportional für Gewaltdelikte verantwortlich.

 

Für die Zukunft ist mit einem Rückgang der Kriminalität zu rechnen. Familienzusammenführungen von Frauen und Kindern werden die bestehende Machokultur zähmen. Da die Zeit der großen Sammelunterkünfte vorbei ist, entspannen sich die Wohnverhältnisse. Die Integration in den Arbeitsmarkt regelt Tagesabläufe. Das Problem der Geduldeten mit schlechter Bleibeperspektive muss angegangen werden: Sie brauchen Arbeitserlaubnisse, Sprachkurse und rechtssichere Aufenthaltsperspektiven, wenn eine Abschiebung nicht durchgeführt werden kann.

 

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