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Afrika - können Rücküberweisungen es richten?

Armut bedingt Migration. Migration bekämpft aber auch Armut. Migranten feuern das Entwicklungspotential ihrer Herkunftsländer durch Rücküberweisungen an. Bereits heute übersteigen sie die weltweite Entwicklungshilfe um ein Vielfaches. Sind sie also eine Lösung zur Entwicklung Afrikas?

 

 Der afrikanische Kontinent gilt als der ärmste der Welt. Er ist von Armut, Hunger und Gewalt gekenntzeichnet. Ein Teil der Bevölkerung zieht ins Ausland, von wo aus sie Geld nach Hause schicken. Sie unterstützen Verwandte oder investieren im Heimatland. Dieses ausländische Kapital ist ein ungemeiner Wirtschaftsfaktor. Nach Schätzungen der Weltbank belaufen sich die weltweiten Rücküberweisungen (auch Remissen) auf mehr als 600 Milliarden US-$. Die gesamte Entwicklungshilfe entsprach mit 153 Milliarden US-$ gerade einmal knapp einem Viertel hiervon. Allein 441 Milliarden wurden in Entwicklungsländer überwiesen.

 

Die Vorteile liegen auf der Hand. Remissen werden insbesondere zur Unterstützung von Verwandten eingesetzt. So kann in Bildung, die Gesundheit und in Armutsbekämpfung direkt investiert werden. Selbst wenn sie schlecht eingesetzt werden, fördern sie die Wirtschaft, weil die Nachfrage steigt. Oft nehmen Rücküberweisungen auch die Rolle von Banken ein: Da die arme Bevölkerung kaum Kredite erhält, wird Geld von Bekannten im Ausland geliehen. Dies führt zu einem enormen Wirtschaftswachstum durch Investitionen vor Ort, steigende Produktivität und wachsendes Unternehmertum. Eine höhere Effizienz lässt auch Löhne ansteigen. Werden Auswanderer selber ökonomisch aktiv und investieren selber in ein eigenes Unternehmen, wachsten oft auch Handelsbeziehungen zwischen Ländern.

 

Rücküberweisungen sind krisensicher. Bei einer schlechten Wirtschaftslage gehen insbesondere Auslandsinvestitionen zurück. Rücküberweisungen sind aber wesentlich konstanter. Migranten sparen lieber an eigenen Ausgaben, um ihre Verwandten im Heimatland weiterhin unterstützen zu können. Gerade in Zeiten der Weltwirtschaftskrise waren Remissen ein Stabilitätsanker der Wirtschaft vieler Entwicklungsländern.

 

Man sollte aber nicht alles auf die Karte der Rücküberweisungen setzen. Sie machen ein Land abhängig. Das BIP der Philippinen wird zu etwa 10% aus Rücküberweisungen erwirtschaftet. Das macht das Land anfällig gegenüber internationalen Krisen. Remissen führen oft zu Inflation, da mehr Kapital die Preise in die Höhe schnellen lassen. Die Produktion eines Landes geht ebenfalls oft zurück, da Arbeitskraft ins Ausland zieht. Angehörige daheim haben weniger Anreize zu Arbeit, da sie über Einnahmen verfügen. Investitionen in Immobilien oder ausländische Statussymbole (Autos oder Schmuck) führen zu einem direkten Abfluss der Überweisungen. Darüber hinaus erhalten nur solche Leute Remissen, die tatsächlich Bekannte im Ausland haben. Dies sind meist die wohlhabenderen Schichten. Der ärmere Teil der Bevölkerung wird abgehängt. Remissen können die Schere zwischen Arm und Reich noch vergrößern.

 

Rücküberweisungen sind also keine Allzweckwaffe gegen die Armut. Afrika braucht auch Unterstützung bei Aspekten der Sicherheit oder der Bekämpfung der Effekte des Klimawandels. Afrika muss aber auch selbst vermehrt gegen Korruption und Vetternwirtschaft vorgehen, für Investitionssicherheit sorgen und militärische Konflikte vermeiden. Ein kluger Einsatz von Remissen kann aber ein zentraler Baustein bei der Entwicklung des Kontinents sein. 

 

Mehr zu diesem und weiteren Themen finden Sie in "Grenzenlos - warum wir illegale Migration neu denken müssen".