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Die Ukraine - vom Krieg zur Demokratie?

Diese Woche finden Präsidentschaftswahlen in der Ukraine statt. Fünf Jahre nach der Annexion der Krim ist der Konflikt im Donbass immer noch nicht gelöst. Tausende Menschen sind bis heute vertrieben. Wie stellt sich die Flüchtlingssituation im sechsten Jahr des Konflikts dar?

 

Am 31. März wird der neue Präsident der Ukraine gewählt. Der amtierende Präsident Petro Poroshenko wird von nicht weniger als 43 Kandidaten herausgefordert. Fünf Jahre nach den Protesten auf dem Maidan und der Annexion der Krim leidet das Land immer noch unter dem bewaffneten Konflikt im Osten des Landes – der letzte Krieg in Europa seit dem Jugoslawienkrieg.

 

Der Konflikt hat bislang nur eine relativ geringe Menge an Flüchtlingen hervorgerufen. Etwa 200.000 Menschen sind außer Landes geflohen. Dies entspricht rund 4,5% der Gesamtbevölkerung. Der Frauenanteil liegt bei 30%. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass der Militärdienst ein Hauptgrund für die Migration ist. Weitere 1,8 Millionen Menschen sind allerdings Vertriebene im eigenen Land. Die Ukraine hat die 8.-größte Anzahl Binnenvertriebener weltweit. Die meisten von Ihnen sind in die größeren Städte wie Kiew oder Odessa gezogen. Die Anzahl ukrainischer Asylbewerber ist drastisch gesunken. Haben 2014 noch 288.000 Ukrainer im Ausland Asyl beantragt, ist dieser Anteil auf 32.000 im Jahr 2017 gesunken.

 

Die Nettoeinwanderung der Ukraine (Einwanderer minus Auswanderer) liegt bei fast null. Der Konflikt hat daher kaum Auswanderung beeinflusst. Ein wichtiger Faktor hierbei ist die Saisonarbeit. Polen erteilte 235.000 Arbeitsvisa an Ukrainer im Jahr 2018, Tendenz steigend. Sie arbeiten in der Landwirtschaft oder im Baugewerbe und senden den Familien Geld zurück. Diese Rücküberweisungen belaufen sich auf rund 5,8 Billionen $ jährlich. Weitere Diasporagemeinden leben in Russland (2,9 Millionen), in den USA (330.000) und in Deutschland (234.000).

 

Relativ wenige Menschen wurden zu Flüchtlingen wegen des Konflikts. Auswanderung hilft aber dabei, die 1,8 Millionen Binnenvertriebenen zu versorgen. Eine offene Migrationspolitik reduziert die Anzahl von Flüchtlingen und gleichzeitig auch den Mangel an Arbeitskraft: Polen benötigt Arbeitnehmer, weil die junge Generation nach Westeuropa auswandert. Es ist an der Zeit, Migration neu zu denken.

 

 

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